| Schweiz auf dieser Seite möchten wir Ihnen unser Nachbarland vorstellen und einige Termine und Urlaubsinformationen anbieten. Unter "Land und Leute" werden wir in loser Reihenfolge Eigenheiten und regionale "Spezialitäten" veröffentlichen. Schaun Sie wieder vorbei ... | |||||||
| REISETIPP: VAL-DE-TRAVERS IM TAL DER GRÜNEN FEE Obwohl der Kanton Neuenburg weltberühmt für seine Uhrmacherkunst ist, wirken die Dörfer im Val-de-Travers eher ruhig und bescheiden. Und doch ist das Tal reich an Attraktionen. So gibt es in der Schlucht, in der die Areuse entspringt, noch heute alte Wasserkraftwerke zu bestaunen. Ein Muss für alle Wanderer ist der Weg durch die Gorges de l`Areuse bis nach Boudry, nahe des Neuenburger Sees. Unterwegs sollte man unbedingt einen Abstecher zum Creux du Van einplanen, eine gigantische Felsformation, die sich bis zu 100 Meter hoch auftürmt. Auf dem Weg nach Noiraigue blitzt der Hufeisen förmige Steinbogen von gut einem Kilometer Durchmesser hin und wieder für einige Sekunden durch die dichten Tannen. Die wahre Grösse des Creux du Van lässt sich jedoch kaum erahnen. Das Dörfchen Noiraigue ist Ausgangspunkt für eine wunderschöne Wanderung zum Aussichtspunkt „Le Soliat". Herzstück des zugegebenermassen sehr steilen Aufstiegs ist der „Weg der 14 Kurven", ein schmaler Pfad mit 14 engen Haarnadelkurven. Wie gut, dass schon nach einer Stunde die erste Métarie in Sicht kommt. In diesen zu Bergrestaurants erweiterten Bauernhöfen ist Gemütlichkeit Trumpf. Die einfachen, aber deftigen Gerichte bringen müde Ausflügler im Handumdrehen wieder auf die Beine. Nach der 14. Kurve stockt der Atem. Urplötzlich öffnet sich der Blick auf den Creux du Van. Immer am Kraterrand entlang geht es weiter bis zum 1463 Meter hohen Soliat, dem höchsten Punkt am Rande des Kessels. An besonders klaren Tagen reicht die Sicht bis zum weit, weit entfernten Jet d`Eau, dem Wahrzeichen von Genf. Wer es lieber etwas ruhiger angehen möchte, sollte auf Entdeckungstour durch die beschaulichen Dörfer im Val-de-Travers gehen. So lockt etwa Travers mit einem Asphaltminen-Museum. Ausserdem gibt es ein Industriemuseum zu erkunden, das sich wie könnte es in Neuenburg anders sein der Uhrenfabrikation widmet. Hauptort der Region ist Môtiers mit 850 Einwohnern. Der mittelalterliche Dorfkern besticht durch seine einladende Dorfstrasse mit alten Brunnen und renovierten Häuserfassaden. So sehr man hier Traditionen pflegt, so stolz sind die Bewohner auf einen „Zugezogenen": Von 1762 bis 1765 lebte in Môtiers der französische Dichter Jean-Jacques Rousseau, dessen Haus heute als Museum eingerichtet ist. Gleich daneben steht das Museum für Geschichte und Handwerk der Region. Das Schloss, erbaut 1311 und 1344 beherbergt unter anderem das Léon-Perrin-Museum sowie ein Hotelrestaurant. In St-Sulpice, nur wenige Kilometer westlich von Môtiers entfernt, ist die Dampfbahn des Val-de-Travers zu besichtigen. Was jedoch den Wenigsten bekannt sein dürfte: Das Val-de-Travers gilt als Wiege des Absinth auch „grüne Fee" oder „La petîte bleue" genannt, da die klare Flüssigkeit bei Zugabe von Wasser eine milchig-blaue Färbung annimmt und je nach Farbzugabe grün schimmert. Ende des 18. Jahrhunderts stellte der französische Arzt Dr. Pierre Ordinaire ein besonderes Elixier aus Wermut und Kräutern her. Anfangs als Medizin für den Magen gedacht, schätzte man im Laufe der Zeit das Destillat immer mehr wegen seiner Rauschwirkung. Nach dem Tod des Arztes gelangte das Rezept über Umwege in die Hände von Major Dubied. Gemeinsam mit Henri Louis Pernod begann er, die Mixtur aus Wermut, Anis, Fenchel, Ysop, Sternanis, Koriander, Minze und andere Kräutern industriell herzustellen und als Absinth zu verkaufen. Anfang des 19. Jahrhunderts zog die Firma Pernod von Couvet-Môtiers ins französische Pontarlier, um künftig ohne Grenz- und Zollformalitäten im Hauptabsatzmarkt Frankreich zu produzieren und mit der Zeit setzte ein wahrer Absinth-Boom ein. Künstler wie Picasso, Rimbaud oder Toulouse-Lautrec verewigten den Wermutschnaps in ihren Werken und noch heute geht das Gerücht um, Van Gogh habe sich nach übermässigem Absinth-Genuss ein Ohr abgeschnitten. Wegen der halluzinogenen Wirkung, ausgelöst durch die Substanz Thujon im Wermutkraut, wurde das Kultgetränk jedoch im letzten Jahrhundert in vielen europäischen Ländern verboten. Auch die Schweiz verhängte im Jahr 1910 ein Absinth-Verbot, von dem man sich im abgelegenen Juratal aber nicht einschüchtern liess und heimlich, aber fleissig weiter destillierte. Erst mit der Verabschiedung eines einheitlichen Spirituosen-Gesetzes durch die EU war es 1998 wieder erlaubt, Absinth legal zu produzieren sofern ein maximaler Thujongehalt nicht überschritten wird. Diese Gesetzänderung setzte man auch in der Schweiz 1999 um. Daraufhin begann Yves Kübler das Getränk nach dem Rezept seines Grossvaters herzustellen und auf den Schweizer Markt zu bringen. Kübler, Besitzer der letzten Grossdestillerie im Val-de-Travers, musste das Rezept aber an einer entscheidenden Stelle abändern: Statt Anis und Wermut im Verhältnis von 1:1 zu mischen, verwendet er auf einen Liter Absinth nur 45 Gramm Wermut. Nicht nur, dass somit der Thujongehalt gering bleibt, auch schmeckt der Absinth dank der Mischung nicht ganz so bitter. In diesem Sinne: A santé! |
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