Äpfelschnidds - Apfelschnitz
Wenn ich Apfelschnitze sehe, muss ich immer zuerst an meine Oma denken. Sie saß im Wohnzimmer in einem alten Ohrensessel mit Fußhocker, darauf eine gehäkelte Decke, und schälte und entkernte für uns Kinder Äpfel. Manchmal saßen wir zu dritt auf dem Boden um sie herum und schnappten nach dem nächsten freien Stück. Sie konnte gar nicht so schnell schnippeln, wie wir die Äpfel verputzten.
Und irgendwie ist seitdem ein Teller mit einem kleinen Messer und Äpfeln für mich der Inbegriff der Geborgenheit. Diese Geschichten mit Apfelschnitzen ziehen sich durch mein Leben.
Als ich zum ersten Mal alleine mit dem Zug fahren durfte, saß ich ziemlich aufgeregt in meinem Abteil und passte nervös auf den Brustbeutel mit Kinderausweis, Fahrschein und Taschengeld auf. Ich fühlte mich ein wenig verloren. Da stieg eine ältere Dame zu, setzte sich mir gegenüber und begann, Äpfel zu schneiden. Sie bot mir an, zuzugreifen und legte noch eine Tafel Schokolade dazu mit dem Hinweis, dass das ja wohl die beste Kombination sei, die es bei einer Zugfahrt gebe. Und sie hatte recht! Mit diesem kulinarischen Highlight und der freundlichen Gesellschaft ging es mir schon viel besser.
Eins meiner Lieblingsessen waren Apfelpfannkuchen mit Vanillesoße. Im Rezept meiner Mutter kam immer auch eine Packung Vanillepuddingpulver in den Pfannkuchenteig. Auch diese Kombination ist unschlagbar.
In der Grundschule machten wir einmal kurz vor Weihnachten eine Wanderung, um mitten im verschneiten Schwarzwald einen Tannenbaum für Vögel zu schmücken. Mit Popcorngirlanden, Meisenknödeln, Kokosfettsternen und … Apfelschnitzen. Ich war völlig hin und weg, dass die Vögel sich offensichtlich darüber freuten und man nach einigen Tagen in den Apfelstücken klitzekleine Schnabelabdrücke sah.
Später in der Studienzeit roch es regelmäßig nach einem wunderbar saftigen Haferflockenkuchen mit Apfelschnitzen, den meine Mitbewohnerin ganz besonders häufig backte, wenn es gerade darum ging, eine Hausarbeit zu schreiben oder auf eine Prüfung zu lernen. Prokrastination in ihrer schönsten Form.
Und dann waren die Apfelschnitze natürlich auch Bestandteil von vielen Vesperdosen für die Kinder und dem üppigen Picknick, was immer mit zum fast täglichen Freibadbesuch musste. Oder bei langen Autofahrten in den Urlaub. Inzwischen war ich auch Meisterin im Zauberapfel-Schnitzen und selbstverständlich kam auch an Filmabenden der Apfelschnitzteller zum Einsatz.
Ich hoffe, dass also auch meine Kinder dieses kleine Ritual mit einem Gefühl von Zuhause und Gemütlichkeit verbinden. Manchmal ist es sehr einfach, Glück zu „machen“, manchmal braucht es nur einen Teller mit Äpfeln und ein kleines Messer.