DIALEKT - Bibbele

schwarzwaldmaedel.de
Blogbeiträge

Bibbele – Küken

 

Das Wort „Bibbele“ kennt der Schwarzwaldurlauber vermutlich am ehesten durch den „Bibbeleskäs“, Dieser darf bei keinem ordentlichen Schwarzwälder Vesper fehlen. „Bibbeleskäs“ ist ein mit frischem Schnittlauch oder Zwiebeln und Salz und Pfeffer verfeinerter Quark.

Es ist nicht ganz geklärt, ob die Bezeichnung von dem alemannischen Wort für Knubbel kommt. Dann würde sie sich auf die typischen Abdrücke des Quarksiebs auf dem geschöpften Käse beziehen. Oder ob der Bibbeleskäs tatsächlich verwendet wurde, um Küken aufzuziehen. „Bibbele“ als Bezeichnung für Küken ist aber sehr wahrscheinlich eine schöne lautmalerische Beschreibung des Piepsens, das die kleinen Hühnerküken von sich geben.

Küken haben mit einer der größten Enttäuschungen meiner Kindheit und einem der schönsten Geschenke meines Lebens zu tun.

Als Kind wohnte direkt unter uns im Haus meine damals beste Freundin. Wir durften ein Stück Garten für uns alleine bebauen. Allerdings war der meiste Teil beschattet und nachdem wir mehrere verheerende Erntejahre hinter uns hatten, verlegten wir uns auf das Bereitstellen von Biotopen, um Regenwürmer, Ameisen und Teichläufer anzusiedeln. Obwohl wir extra einen Spielplatz für Regenwürmer anlegten, komplett mit Rutsche, Schaukeln und Sandkasten, wurde das Angebot wenig bis gar nicht wahrgenommen. Umso begeisterter war ich, als ich eines Morgens einen Zettel fand, den meine Freundin unter der Wohnungstür durchgeschoben hatte. Ich solle sofort, wenn ich wach bin, runterkommen, ihr Vater habe ihr von der Geschäftsreise ein echtes Küken mitgebracht! Ich malte mir in Gedanken den Himmel aus: Wir würden dem Küken einen Stall bauen, ein kleines Gehege, vermutlich auch mit Schaukel und Rutsche, und würden es aufziehen, bis es selbst Eier legen und Küken aufziehen könnte… Gespannt wie ein Flitzebogen und selig vor Erwartung klopfte ich unser Geheimzeichen. Sie öffnete und legte mir ein kleines, flauschiges, piepsendes Bällchen in die Hand. Was soll ich sagen? Es war eines dieser dämlichen Spielzeugdinger, die Geräusche machen. Von wegen echt. Meine Träume von einem eigenen Huhn zerplatzten wie eine Seifenblase.

Dieser herbe Rückschlag begleitete mich viele Jahre lang, bis ich schließlich (inzwischen schon über 35) von einer anderen Freundin, die auf einem Bauernhof wohnt, meinen Traum erfüllt bekam. Sie schenkte mir zum Geburtstag ein Huhn! Ich durfte es selbst aussuchen, es war eine echte Rassehenne, schwarz-weiß gestreift, und ich nannte es Prillan, wie die Leithenne bei Pettersson und Findus. Prillan durfte im Gehege mit den anderen Schwarzwälder Hühnern leben und begann tatsächlich eines Tages zu brüten, was wohl für Legehennen eigentlich nicht so selbstverständlich ist. Aus ihren Eiern schlüpften acht kleine Küken und so kam ich doch noch dazu, ein echtes, kleines, piepsendes Flauschbällchen auf der Hand zu halten. Was für ein wundervolles Gefühl!