DIALEKT - Bruddler

schwarzwaldmaedel.de
Blogbeiträge

Bruddler – Grummeliger Mensch

 

Bruddeln tut jeder Mal. Zu wenig Schokolade gegessen. Die Wanderung nimmt kein Ende und dann fängt es auch noch an zu regnen. Im Brettspiel fallen alle Würfel gegen Dich und dann kullert auch noch einer unter den Tisch. Da kann man schon mal unleidig werden.

Aber es gibt ja auch Menschen, die generell und über alles rumbruddeln. Das ist auf Dauer ganz schön anstrengend. Nichts kann man der Person recht machen und egal, was man erzählt: Ist es etwas Schönes, wird daran rumkritisiert, geht es einem schlecht, geht es dem Bruddler immer noch ein bisschen schlechter. Man hat das Gefühl, die Lebensaufgabe des Bruddlers sei es, möglichst das Leben aller anderen (und das eigene!) ein gutes Stück negativer zu machen.

Und manchmal habe ich das Gefühl, diese Bruddelei nimmt immer mehr zu. Und ist gerade in Deutschland ganz groß in Mode. So wichtig ehrliche Kritik ist, so wichtig finde ich es aber auch, Gutes zu erwarten und zu sehen. Wie wäre es, statt sich darüber zu beschweren, dass einen die Sonne blendet, sich darüber zu freuen, dass sie scheint? Anstatt davon auszugehen, dass der andere mir den Parkplatz wegschnappen wollte, einfach zu überlegen, dass diejenige Person es eilig hatte und mich übersehen hat. Genauso, wie ich dem Gegenüber, das mich unverschämter Weise nicht einmal grüßt, zugestehen kann, dass es mich schlicht und ergreifend nicht gesehen hat. Was wäre, wenn nicht alle anderen blöd wären, sondern ich vielleicht immer mit dem Fiesesten, dem Negativsten, dem Schlimmsten im anderen Menschen rechne? Was, wenn ich einmal darüber nachdenke, dass wir alle im selben Boot sitzen, mit den gleichen Sorgen, Befürchtungen und Anstrengungen zu kämpfen haben und eigentlich nur ganz gerne vom anderen nett behandelt werden möchten. Was, wenn ich einfach anfange, dem Gegenüber freundlich zuzulächeln, mir vorzustellen, dass der andere einen schlechten Tag hat und mir zu überlegen, wie ich ihn besser machen könnte? Wenn ich mal ein Auge zudrücke, wenn das Auto vor mir bei Grün nicht sofort durchstartet, und nicht sofort anfange zu hupen und die Person Idiot zu nennen. Wenn ich mich nicht ärgere, dass der Kassierer sich geduldig das Kleingeld auszählen lässt, sondern einfach genauso geduldig bleibe? Habe ich es wirklich so eilig? Kenne ich das nicht selbst, dass mir die Karte herunterfällt und die hinter mir auf mich warten müssen?

Wir sind doch alle Menschen und könnten doch dementsprechend so miteinander umgehen, dass Menschlichkeit erlaubt ist. Das braucht nur ein wenig Geduld, Freundlichkeit, Offenheit und den Willen, erst einmal das Gute zu erwarten, wenn ich jemandem begegne. Ist doch gar nicht so schwer. Und wenn das alle machen, begegnen mir plötzlich keine Bruddler mehr. Es sei denn, jemand hat zu wenig Schokolade gegessen.