Was ist eigentlich ein „Grasdaggl“?

 

Der Begriff „Grasdaggl“ wird im Schwarzwald als – mal mehr, mal weniger – liebevolle Bezeichnung für einen schusseligen, zerstreuten oder eigenwilligen Menschen verwendet, der zuweilen auch zu unüberlegten Ausbrüchen neigt. Gerne verwendet man ihn auch bei Missgeschicken für sich selbst („Ich alter Grasdaggl hab‘ die Pizza im Ofen vergessen!“).

Ich mag Dackel, ein wenig grummelig zuweilen, eigenständig, aber unbedingt  liebenswert. Ein Dackel schert sich selten um seine Mitdackel, ignoriert gerne die Kommandos seiner Halter und gilt deshalb oft als unerzogen und unerziehbar. Bedenkt man aber die Herkunft der Rasse, kann man das keinem Dackel verübeln: Die von den keltischen Bracken stammende Rasse des „Dachshundes“, wurde speziell für die Fuchs- und Dachsjagd gezüchtet. Der besondere Körperbau mit kurzen Beinen und der ausgeprägte Jagdtrieb waren unerlässlich für das eigenständige Operieren unter der Erde in engen Bauten. Das selbstbewusste Auftreten der Kurz-, Lang- und Rauhaardackel ist also ein erwünschtes Rassemerkmal und keine Bockigkeit eines verzogenen Schoßhundes.

Aber wie kommt man denn nun auf das Wort „Grasdaggl“?? Ist ein Grasdackel einer, der zu viel Marihuana konsumiert hat und deshalb nicht immer ganz auf der Höhe ist? Bezieht sich der „Grasdackel“ auf die Hunderasse –  den Dackel, der eben bekanntermaßen selbstbewusst ist und die geringe Körpergröße auch schon einmal mit einer lautstarken Attacke kompensiert? Oder ist es der treudoofe Hundeblick, der hier die Mundart inspiriert hat?

Die Webseite Donaufischulm hat eine Legende auf Lager, der zufolge sich der Ausdruck „Grasdaggl“ im Ulmer Ortsteil Söflingen entwickelt hat. Dort versetzte ein Bäcker wohl seine Brötchen mit einer Kräutermischung. Das Gebäck ging buchstäblich weg wie warme Semmeln, die Produktion zog an, und der Bäcker verbrachte viele Stunden in der mit Kräuterdämpfen geschwängerten Luft der Backstube. Ob die spezielle Kräutermischung der Auslöser war oder die Überlastung durch die Arbeit – der Bäcker galt als etwas kauzig, etwas neben der Spur und hatte bald den Spitznamen „Grasdackel“ –  Gras als Überbegriff für die Pflanzenmischung – eine Spezifizierung des Schimpfwortes „Dackel“.

Insofern gar nicht so weit weg von dem Gras rauchenden Dackel und doch irgendwie einleuchtend…