DIALEKT - Gudsele

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Gudsele – Bonbon

Als Erwachsener meint man Bonbons (oder wie man hier sagt „Gudsele“) nicht mehr zu brauchen. Außer vielleicht einmal ein paar Hustengudsele, um mit Salbei oder Eukalyptus, Honig oder Ingwer den strapazierten Hals zu pflegen.

Aber eigentlich sind Bonbons doch kleine Stücke Erinnerung, die für einige Minuten besondere Momente zurückbringen:

Die Handvoll Mini-Bonbons, die der Bäcker im Bäckerwagen immer für die Kinder zum Werfen bereithielt – auch am letzten Ende des Dorfes und auch wenn dort nur noch drei Kinder warteten.

Die riesige Schüssel am Hoteltresen im Griechenlandurlaub mit dem niemals enden wollenden Vorrat an Anisbonbons.

Das auf dem Küchenschrank bei Oma und Opa deponierte Bonbonglas, der erste Anlaufpunkt nach dem traditionellen „Probier mal, ob Du mich noch hochheben kannst, Opa!“.

Und natürlich auch die im Schrank versteckte Dose mit dem Eisberg darauf, in der diese weißblau leuchtenden Eisbonbons waren, mit dem geheimnisvollen Geschmack eines Eisberges…

Die Hustenbonbons mit flüssiger Kirschfüllung, deren Kanten immer schärfer wurden, bis man aufpassen musste, dass man sich nicht in die Zunge schnitt. Genau wie bei den orangen und gelben gefüllten Bonbons, von denen man mindestens zwei essen musste und von denen die Nase kribbelte.

Die Bonbons mit dem goldglitzernden Papier, die wirklich so sahnig schmeckten, wie es der Großvater auf dem Sessel in der Werbung beschrieb.

Die kleinen, wie eine Himbeere geformten Himbeerbonbons, die direkt nach den Pommes im Freibad kommen mussten.

Die Schweizer-Kräuterzucker-Brocken, von denen Papa immer eine Dose im Büro stehen hatte, aus der man sich die einzelnen Bonbons bergbaumäßig herausarbeitete.

Die mit Brausepulver gefüllten Zitronenkugeln, die einem schon das Wasser im Mund zusammenlaufen ließen, wenn man nur an sie dachte.

Die Früchtebonbons, bei denen immer die dunkelvioletten zuerst weg waren, die aussahen wie Edelsteine und mit denen man im Backofen kleine Kirchenfenster in Plätzchen zaubern konnte.

Die weißen und rosafarbenen Pfefferminzbonbons, die aussahen wie kleine Kopfkissen und die so schön im Mund zerbröselten.

Die ganz teuren, roten, runden Wildkirsche-Bonbons aus der Apotheke, die man aber auch wirklich nur bei Halsweh bekam.

Die Glühwein- oder Fenchelbonbons vom Weihnachtsmarkt, von denen man immer eine ganze Tüte kaufte, die man dann nie leer bekam.

Und dann natürlich die, die in einem Bonbonladen selbst hergestellt wurden. Wo man das erste Mal zusehen konnte, wie die heiße Zuckermasse gefärbt, geknetet und gerollt wurde. Wenn zuletzt in einer unglaublichen Geschwindigkeit von langen Stangen die Bonbons abgeschlagen wurden, kam wie von Zauberhand das winzige Bild einer Kirsche oder Zitrone zum Vorschein.

Bonbons sind einfach immer etwas Wunderbares. Sie sind wie kleine Geschenke verpackt, sehen aus wie kleine Schätze, duften so intensiv wie ein ganzer Obstkorb und schmecken … so nostalgisch wie das Blättern in einem Kinderfotoalbum. Probiert das mal wieder aus. Ja, natürlich ist Zucker ungesund. Aber was auch ungesund ist: sich süße Erinnerungen zu verkneifen!