Knuddle – Umarmen
Wir umarmen uns zur Begrüßung, zum Trösten, um Angst zu nehmen oder einfach nur, um Zuneigung auszudrücken. Knuddle tut gut. Das spüren wir, wenn wir einen Menschen umarmen, den wir gernhaben. Das kann man aber nicht nur spüren, sondern es ist auch wissenschaftlich nachweisbar. In einer Auswertung von über 130 internationalen Studien durch ein Forschungsteam aus Bochum, Duisburg-Essen und Amsterdam, die im Fachblatt „Nature Human Behaviour“ (April 2024) veröffentlicht wurde, bestätigte sich, wie gut uns Berührungen tun.
Umarmungen, ja sogar kleine Berührungen, eine Hand auf der Schulter, ein kurzes, sanftes Streicheln oder Händchenhalten, lösen jede Menge Hormonausschüttungen bei uns aus:
Oxytocin, das Bindungshormon, kann dafür sorgen, dass der Blutdruck und die Herzfrequenz sinken, dass Schmerzen gelindert oder Depressionen gemildert werden.
Dopamin kann stimmungsaufhellend wirken und Angstzustände reduzieren.
Zusätzlich sorgt die Ausschüttung von Oxytocin bei Frauen für eine Senkung des Cortisolspiegels, baut also Stresshormone ab.
Durch die Stressreduzierung wird das Immunsystem gestärkt – durch Berührungen, die gewünscht sind, kann sich das Befinden sowohl von Kranken als auch von Gesunden bessern.
Interessant ist, dass es bei Erwachsenen sogar fast keinen Unterschied macht, ob die Berührungen durch eine bekannte oder eine fremde Person stattfinden. Auch eine Rückenmassage im Wellnessbereich kann also die zahlreichen positiven Auswirkungen einer Umarmung haben. Nur bei Säuglingen wurde festgestellt, dass der Effekt bei Berührungen durch die Eltern deutlich größer ausfällt als beispielsweise durch Pflegepersonal.
Berührungen funktionieren auch als Kommunikationsmittel. In einem Experiment der DePauw Universität Indiana wurde festgestellt, dass Gefühlsregungen wie Wut, Angst, Dankbarkeit, Liebe, Ekel und Sympathie über Berührungen ausgedrückt und verstanden werden konnten.
Einen der wichtigsten Tipps zum Thema Berührung habe ich einmal in einem Eltern-Kurs bekommen: Kinder, die man zum Essen, Aufräumen, Hausaufgaben machen oder einfach zum Aufbrechen ruft, können, wenn sie mit etwas beschäftigt sind, manchmal wirklich in ihrer „Beschäftigungsblase“ keine akustischen Aufforderungen wahrnehmen. „Sie hören einfach nicht“, ist also keine Floskel, sondern eine Tatsache. Überbrückt man aber die Distanz nicht durch lautes Rufen, sondern durch Hingehen, kurzes Berühren und In-die-Augen-Schauen, dann wird diese Blase sozusagen geöffnet und man bekommt direkten Zugang. Was ich erst für übertrieben hielt, stellte sich dann als Hilfe heraus: das funktioniert tatsächlich und wann immer es möglich ist, handhabe ich es so. Auch so kann eine Berührung Stress reduzieren.
„Wir benötigen pro Tag vier Umarmungen zum Überleben, acht Umarmungen zum Leben und zwölf Umarmungen zum Wachstum.“ – das sagte Familientherapeutin Dr. Virginia Satir zum Thema Umarmung. Und hier gibt es tatsächlich (solange beide Seiten es wünschen) kein Zuviel: je mehr Berührungen, desto größer der Effekt.
Nach diesem Zitat haben wir uns ein schönes Ritual zu Hause angewöhnt: Treffen wir in der Wohnung aufeinander, braucht nur einer „acht Umarmungen“ sagen und wir drücken uns herzlich. Kann ich nur empfehlen!