Muggeseggl – sehr kurz
Das Wort „muggeseggl“ bezieht sich auf das männliche Geschlechtsorgan der gemeinen Stubenfliege, ursprünglich von lat. „sacculus“, also Hodensack, mittlerweile bezieht es sich aber auf das Zeugungsglied. Dieses ist laut eines Entomologen des Stuttgarter Naturkundemuseums im Durchschnitt 0,22mm lang und stellt dementsprechend die kleinste alemannische Maßeinheit dar. Kurz gesagt (höhö): sehr kurz. Wobei umstritten ist, ob der Ausdruck „a muggeseggls härle“, also das Schamhaar an einem Fliegenhoden, als noch kürzer anzusehen ist. Der Dipflischisser dürfte also sehr vertraut mit dieser Längeneinheit sein.
„Muggeseggl“ ist nicht zu verwechseln mit dem hochdeutschen Wort „Mückenschiss“, welches im deutschen Duden zu finden ist. Anders als „muggeseggl“, welches trotz Bemühungen des privaten Radiosenders Antenne 1, der sich seit 2014 für die Aufnahme des Wortes einsetzt, leider Aufgrund einer zu minimalen Verbreitung in der gesamtdeutschen Umgangssprache noch keinen Zugang gefunden hat.
Das müsste doch zu ändern sein!
Hier also der Aufruf an alle: Muggeseggl for Duden!
Nur weil das Wort im direkten Schwanzvergleich mit ähnlichen Formulierungen unbeträchtlicher abschneidet, heißt das nicht, dass es eine geringere Bedeutung hat.
Verwenden lässt sich der Ausdruck im Zusammenhang mit Angaben zu Länge, Winkel, Gewicht oder Zeit.
Konkret könntet ihr also in Zukunft sagen:
Häng doch bitte das Bild noch ä muggeseggl weiter links auf.
Da müsste noch ä muggeseggl Salz in die Brägele.
Ach, so eilig ist es nicht, wir haben noch ä muggeseggl (Zeit) zur Verfügung.
Darf es noch ä muggelseggl mehr Hackfleisch sein?
Sicher fallen Euch noch mehr Gelegenheiten ein.
Auf unserem Dialekt-Shirt und der Dialekt-Tasse ist übrigens aufgrund der schwierigen Darstellung eines Muggeseggls eine gesamte Stubenfliege abgebildet. Sollte dieser Umstand beim Tragen zu Diskussionen führen, könnt Ihr diese direkt zur Verbreitung des Wortes nutzen.
Gibt doch nichts Schöneres als das Feiern von Dialektwörtern.