DIALEKT - Nur nit huddle

schwarzwaldmaedel.de
27.11.2025 / Blogbeiträge

Nur nit huddle – In der Ruhe liegt die Kraft

 

Das Wort „huddle“ für „hastig etwas tun“ stammt vom mittelhochdeutschen Begriff „hader“ für „Lumpen“ oder „Lappen“ ab. Im Backhaus wurden früher mit dem feuchten Huddl die glühenden Kohlereste im Ofen ausgewischt, bevor das Brot hineingegeben wurde. Damit der Huddl nicht anbrannte oder verkohlte, musste man entsprechend schnell arbeiten.

Da diese Lumpen nach der Arbeit entsprechend mitgenommen aussahen, erhielt das Wort auch einen negativen Beigeschmack, im Sinne von schnell und überhastet arbeiten. „Hudelei“ bedeutet daher Schlamperei oder Pfuscherei, ein „Hudler“ ist jemand, der nachlässig arbeitet, mancherorts auch ein Lump und Taugenichts.

„Nit huddle“ bedeutet also, nicht zu überstürzen, lieber langsam und konzentriert vorzugehen. Der badische Ausdruck für „In der Ruhe liegt die Kraft“.

Es gibt ein wunderbares Buch von Elisabeth Tova Bailey. „Das Geräusch einer Schnecke beim Essen“ ist der Inbegriff der analogen Geduld. Es handelt von einer Frau, die durch Krankheit lange an ihr Bett gefesselt ist. Zusammen mit einer geschenkten Topfpflanze zieht zufällig eine Schnecke auf ihrem Nachttisch ein und die Protagonistin beginnt, deren Leben zu beobachten. Zusammen mit Bailey taucht man in den winzigen Lebensraum des Tieres ein und bekommt Einblicke in die Biologie und Kulturgeschichte dieser außergewöhnlichen Spezies.

In den fast meditativen und alles andere als langweiligen Beschreibungen beginnt man zu ahnen, wie wohltuend der Blick auf die Langsamkeit und Beharrlichkeit dieses Wesens ist und ganz automatisch fährt der Fokus herunter und konzentriert sich plötzlich auf die wesentlichen Unwichtigkeiten des Lebens.

Ein Aufruf zur Entschleunigung ganz ohne Nachdruck und Aufforderungscharakter. Man bekommt Lust, sich aus der ganzen „Hudelei“ herauszuziehen, eine ganz ruhige Kugel zu schieben, seine Kraft in der Ruhe zu finden und vielleicht auch, zu versuchen, die ganze Ablenkerei durch Handy, volle Terminkalender und Optimierungsgehetze beiseite zu schieben. Sich Zeit zu nehmen, um einfach Zeit zu haben.