DIALEKT - Roddsbrems

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Roddsbrems – Schnurrbart

 

Das Wort „Schnurrbart“ leitet sich vom Niederdeutschen „snurre“ für „Schnauze“ ab.

Wenn ich an Schnurrbärte denke, habe ich immer sofort bekannte Schnurrbartträger vor Augen. Beim klassischen Schnauzer zum Beispiel Tom Sellek, Albert Einstein oder Super Mario. Beim sogenannten Bleistiftbart, also der schmalen Variante, Clark Gable oder diverse Darsteller in Mafiafilmen. Und der Kaiser-Wilhelm-Bart trägt seinen Namen auch nach einem berühmten Vertreter dieser Gesichtsbehaarung.

Bärte sind nicht erst seit der Erfindung des Hipsters ein deutliches Statement. So äußert sich einer der bekanntesten Schnurrbartträger, Salvador Dali, in seiner Autobiographie, dass er „sogar im Schnurrbart Nietzsche übertreffen will! Mein Bart soll nicht deprimierend, katastrophisch, erdrückt von Wagner-Musik und Nebel sein. – Nein! Er soll dünn, imperialistisch und ultrarationalistisch sein und in den Himmel zeigen wie der vertikale Mystizismus.“ Soviel dazu.

Es gibt Bartmeisterschaften, in denen sich Bartträger aus aller Welt in den drei Hauptkategorien „Schnurr-, Schnauz- und Oberlippenbart“, „Kinn- und Backenbart“ und „Vollbart“ messen. Hier zählen natürlich nicht nur Länge und Dichte des Bartes, sondern auch die Gesamterscheinung. Passt der Bart wirklich zur Persönlichkeit? Nicht selten trifft man auf diesen Meisterschaften also auch auf Gesamtkunstwerke wie verkleidete Musketiere, Piraten oder Alm-Öhis.

Der Zwei-Finger-Bart, die Fliege oder der Toothbrush-Moustache, wie er in England genannt wird, vielleicht besser bekannt als Hitler-Bart, verdankte seine Beliebtheit Anfang des letzten Jahrhunderts in erster Linie einer Notwendigkeit. Im ersten Weltkrieg wurde in den Schützengräben die Verwendung von Gasmasken unerlässlich, diese konnten aber mit einem kräftigen Schnauzer nicht luftdicht angelegt werden. Der in Deutschland erst als Zeichen der Amerikanischen Moderne wenig anerkannte knappe Bart erwies sich als praktische Lösung. Hitler wählte nicht zufällig dann genau diesen Bart, der ihn in Kombination mit dem Grabenmantel deutlich als Frontkämpfer auswies.

Sir Charles „Charlie“ Chaplin, der für seine Darstellung des „Großen Diktators“ für den Oscar nominiert wurde, hat den Zweifinger-Bart allerdings nicht erst für diese Rolle wachsen lassen. Er ist Teil der von ihm erfundenen Figur des „Tramp“, eines Außenseiters in zu großen Hosen, Melone und Spazierstock. Der Charlie-Chaplin-Bart war also vor dem Hitler-Bart da.

Aber mal abgesehen von den ganz berühmten Bartträgern scheint der Schnurrbart nach dem Comeback des Vollbarts auch langsam wieder salonfähig zu werden. Er ist nicht mehr nur ironisches Zitat bei Verkleidungen. Er hat nicht mehr den Ruf der spießigen, kratzigen Papa-Roddsbrems. Man sieht immer öfter auch junge Männer mit gepflegten Schnurrbärten und denkt dabei eher an Henry Cavill als an Horst Lichter.

In diesem Sinne also: Mut zum Gentleman-Look, einfach mal ausprobieren!